2nd Order Perceptions

Bohrexperiment zur Erschließung der ‘Real Social Media’ an der kontroversen Schnittstelle zwischen Neurodiversität, Self-Empowerment und kybernetischen Brainspill-Szenarios.

Plan: Sammlung prototypischer Patterns von sog. “2nd Order Perceptions”
Format: Visueller Modellkatalog (web)
Technik: 3D-Animationen
Strategie: crowd-sourcing, peer-review (on/offline)
Ziel: open source Tool zum Self-Empowerment im kognitiven Bereich

Hintergrund

Nicht erst seit ‘Erfindung’ der Social Media wird eine noch nie da gewesene Menge von Menschen auf eine erhöhte Form von Selbstbeobachtung zurückgeworfen, zu der sie Schnelligkeit, Mash-up-Stil und sozialer Druck der Web2.0-Formate zwingen: Diskrepanzen zwischen eigenen Verhaltensweisen im on- und offline-Modus scheinen auf, Unterschiede in der Nutzung zwischen Bild und Text, Gimmick und Inhalt sowie der gefühlten Ich-Grenzen treten ins Bewusstsein. Wahrnehmungen, die sich einer breiten Masse von aufmerksamen Medien-Usern seit der Ausbreitung des Internets und Optimierung von Grafikkarten (Game-Kultur) in den letzten 20 Jahren intensiv genug aufdrängten, um einen Medientheoriehype auszulösen, der diesmal alle gesellschaftlichen Bereiche erfaßte. Während Kognitionswissenschaft und Kybernetik anfangs nur hochspezialisierten Insidern bekannt waren und ich z.B. noch im Jahre 2002 einem staunendem Münchner Publikum die Zusammenhänge von Medienkultur, Disability Studies und Emotionsforschung erklären musste (im von mir konzipierten Symposion Perception Geographies, Medienforum München), war das Sujet der gegenseitigen Formierung von Medien und Sinnen bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft letztes Jahr bereits auch für Nicht-FachbesucherInnen eine Selbstverständlichkeit (Welche Sinne machen Medien?, Wien, 2009). Angesichts einer zunehmenden Zahl von künstlerischen Forschungsprojekten an der Schnittstelle zwischen Medientheorie und Kognitionswissenschaft wundert es fast, dass diese Forschungsrichtung ihre legitime Zugehörigkeit zur Netzkultur erst argumentieren muss. Fest steht: das Gehirn ist ein Netzwerkorgan und die aktuell im Kunstfeld sehr angesagte Beschäftigung mit den ihm zuzuordnenden Funktionen eine ‘Real Social Media’-Theorie, geboren aus dem kürzlichen IT-Hype und millionenfachen, medial gespiegelten Selbsterfahrungen. Aus makroskopischer, google-Earth ähnlicher Aufsicht könnte man sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen: Was, wenn nicht Selbstbeobachtungen – als das jüngste Tool der Evolution – sind ‘Really New Media’?

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©Nina Stuhldreher 2010